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Alles über Single Malt Whisky

Tipps für Einsteiger

Wer Whisky im einschlägigen Einzelhandel kauft, hat relativ gute Chancen auf eine angemessene Beratung. Im Großmarkt, beim Discounter oder sonstwo sieht man dagegen die Leute unschlüssig vor den Regalen stehen und im Zweifelsfall zu den bekannten Marken greifen. Kurzerhand wird dann statt einem schottischen Single Malt ein Jack Daniels oder Johnnie Walker gekauft und hinterher ist die Enttäuschung groß, wenn er nicht so schmeckt wie gedacht oder – noch schlimmer – das gut gemeinte Geschenk nicht so wirklich gut ankommt. Schon aus eigenem Interesse daher ein kurzer Exkurs in die Welt des Single Malt Scotch Whisky und einige Tipps, mit denen man wenig falsch machen kann:

Regel Nr. 1: Nur „Whisky“ ist schottischer Whisky

Whiskey (mit „e“) kommt aus Irland, Amerika oder dem Rest der Welt und schmeckt nicht unbedingt schlechter, aber anders. Und zwar deshalb, weil er aus anderen Grundzutaten besteht, eine andere Destilliermethode durchläuft oder in anderem Klima reift. Aber Achtung: Nur weil das„e“ fehlt, ist noch lange kein schottischer Whisky drin.

Regel Nr. 2: Auf die Herkuftsbezeichnung achten

Auf einem schottischen Whisky steht normalerweise die (geschützte) Bezeichnung „Scotch“ oder zumindest etwas in der Art von „Produced in Scottland“.

Regel Nr. 3: Auf den Namen kommt es an

Ein Single Malt Scotch Whisky kommt aus einer einzigen Brennerei. Auf dem Etikett ist daher der (oft gälische) Name der Brennerei angegeben, auch wenn er nicht von der Brennerei selbst abgefüllt wurde. Die wenigen Ausnahmen von dieser Regel sind etwas für Fortgeschrittene. Hinter bekannten Markennamen wie Ballantines, Johnnie Walker und Konsorten verbirgt sich dagegen entweder ein Blend (Verschnitt mit billigerem Grain Whisky) oder höchstens ein Vatted bzw. Pure Malt (Verschnitt aus mehreren Single Malts).

Regel Nr. 4: Nur wo „Single Malt“ drauf steht, ist auch Single Malt drin

Ein Single Malt ist immer als solcher beschriftet und trägt eine Altersangabe, die entweder die Reifezeit angibt („12 Years Old“) oder die Jahreszahlen von Destillation und Abfüllung („Destilled 1991, Bottled 2005“). Fehlt eines von beiden, ist Vorsicht angebracht. Das Alter sollte in der Regel mindestens 10 Jahre betragen – je älter desto besser (und teurer).

Unter Beachtung dieser Regeln kann man schon mal alles aussortieren, was kein Single Malt Scotch Whisky ist. Übrig bleiben über hundert Brennereien mit jeweils mehreren Jahrgängen sowie eine Vielzahl an unabhängigen Abfüllern, die Fässer der Brennereien aufkaufen und unter eigenem Namen abfüllen. Deren Abfüllungen haben dann oft „Cask Strength“ (nicht verdünnte 50-60% im Gegensatz zur normalen Trinkstärke von 40-46 %), sind ungefiltert (was sonst Schwebstoffe aber auch Geschmacksstoffe ausfiltert) oder stammen sogar aus einem einzigen Fass (ein normaler Single Malt ist in der Regel aus mehreren Fässern zusammengemischt, um einen einheitlichen Markengeschmack zu erreichen). Auch die Brennereien selbst bieten solche speziellen Abfüllungen an.

Whisky-Regionen

Ähnlich wie beim Wein beeinflusst die Herkunft aus unterschiedlichen Regionen den Geschmack des Whisky. Das kommt vor allem daher, dass sich die regionale Bodenbeschaffenheit auf das verwendete Wasser auswirkt und das Mikroklima die Reifung im Fass beeinflusst. Außerdem haben sich im Laufe der Jahrhunderte gewisse regionale Eigenheiten herausgebildet, weil neue Brennereien versucht haben, den typischen Stil bekannter Vorgänger und Konkurrenten nachzuahmen. Die Region ist oft auf dem Etikett angegeben („Single Highland Malt“, „Single Speyside Malt“, etc.), manchmal hilft auch die Beschreibung auf dem Rücketikett oder der Verpackung weiter. Nachfolgend die Beschreibung der regionalen Eigenheiten, Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel:

Lowlands

Das Gebiet zwischen der englisch-schottischen Grenze bis kurz hinter Glasgow und Edinburgh bringt eher leichte und ungetorfte Whiskies hervor. Leider haben in dieser Gegend nicht viele Brennereien das Massensterben überlebt: Produziert wird nur noch in Auchentoshan, Bladnoch und Glenkinchie. Letzterer gehört zu der Reihe der „Classic Malts“ und ist fast überall erhältlich. In der „Rare Malts“-Serie aus gleichem Haus sowie von unabhängigen Abfüllern sind auch noch Abfüllungen der bereits geschlossenen Lowland-Brennereien zu bekommen, z. B. der leckere Rosebank.

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Highlands

An die Lowlands schließen sich die weiten, von Heidekraut bewachsenen Hügel der Highlands an und ziehen sich durch bis an die Nordspitze Schottlands. Die rauhe Landschaft bringt kräftigere Whiskies hervor, die durchaus auch mal rauchig oder torfig sein können, meist aber rund und malzig mit Anklängen an Heidekraut und Honig ausfallen. Hier gibt es wesentlich mehr Auswahl, unter anderem auch wieder die „Classic Malts“ Oban (Seeluft und Torf) und Dalwhinnie (Heidekraut und Torf). Durch das große Gebiet sind die Geschmacksvarianten weiter gestreut, im Landesinnern überwiegen Heide und Honig, an der Küste Salz und Torf. Je weiter man in den Norden vordringt, desto kräftiger werden die Erzeugnisse.

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Speyside

Eigentlich ein Teil der östlichen Highlands, trotzdem gilt das Dreieck zwischen den Städten Forres, Elgin und Buckie entlang des Flusses Spey als eigene Region. Es ist das Herzland der schottischen Whiskyproduktion mit den meisten Brennereien und nach Meinung vieler Experten auch den besten und edelsten Whiskies, die hier meist in gebrauchten Sherry-Fässern gelagert werden. Während die sonst häufig verwendeten Ex-Bourbon-Fässer dem Whisky eine eher süßliche Note und helle Farbe verleihen, sorgt der Sherry für fruchtige Noten und eine tiefgoldene Farbe. Auch hier stellen die „Classic Malts“ wieder einen typischen Vertreter, den Cragganmore, ausgewogen malzig-rauchig mit fruchtigen Sherrynoten.

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Islands

Die schottischen Inseln ziehen sich entlang der Westküste des Landes bis hoch in den Norden und bringen mit ihrem rauhen Klima im allgemeinen sehr kräftige Whiskies hervor. Die Gerste wird meist über Torffeuern gedörrt, die salzige Seeluft hinterlässt während der langen Lagerzeit ihre Spuren im Whisky und selbst Sherry-Fässer kommen kaum gegen den kräftigen Grundton an. Von Süden nach Norden schickt die Isle of Arran mit einer der jüngsten Brennereien (seit 1996) dabei noch den normalsten Vertreter ins Rennen. Auf der Isle of Islay gibt es gleich acht Brennereien, wie auch die Isle of Skye steuert sie einen weiteren „Classic Malt“ bei: Lagavulin (Islay) und Talisker (Skye) gehören beide zu den am stärksten getorften Whiskies. Irgendwo dazwischen liegen der Isle of Jura, Tobermory und Ledaig von der Isle of Mull und last but not least die beiden Brennereien Highland Park und Scapa auf Orkney. Ein Mittelding zwischen Highlands und Islands bilden die beiden Brennereien in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre. Glen Scotia ist ein kräftiger und malziger Whisky, Springbank produziert unter eigenem Namen einen sehr würzigen Malt und unter dem Namen Longrow einen extrem torfigen.

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Tipps in Kürze

Die fast überall erhältlichen „Classic Malts“ haben viel zum Erfolg der schottischen Single Malts beigetragen und sind nach wie vor eine gute Gelegenheit, die Unterschiede der schottischen Whiskyregionen kennen zu lernen:

  • Glenkinchie (Lowlands) – Leicht und süß, trocken und rauchig
  • Cragganmore (Speyside) – Kräftig und leicht rauchig mit viel Sherry
  • Dalwhinnie (Highlands) – Leicht und fruchtig mit Heide und Honig
  • Oban (Highlands) – Trockener Küsten-Whisky mit Seeluft und Torf
  • Lagavulin (Isle of Islay) – Rauchig und würzig mit Erde und Torf
  • Talisker (Isle of Skye) – Rauchig und torfig mit ordentlich Pfeffer

 Sanfte Klassiker für nahezu jeden Geschmack, die ebenfalls leicht erhältlich sind:

  • Auchentoshan (Lowlands) – Dreifach gebrannt, leicht und mit Zitrusnoten
  • Aberlour (Speyside) – Sehr ausgeglichen mit süßem Malz und trockenem Sherry
  • Dalmore (Speyside) – Kräftiger Klassiker mit deutlichen Zitrusnoten
  • Longmorn (Speyside) – Kräftig, malzig, lecker
  • The Macallan (Speyside) – Adel verpflichtet, Oloroso-Sherry sorgt für Sanftheit
  • The Glenlivet (Speyside) – Trocken sei der Whisky, edel und rund
  • Glenfarclas (Speyside) – Süße, Würze, Sherry und Malz, von allem etwas
  • Glenmorangie (Highlands) – Der malzige Allrounder aus dem Norden

 Kräftigere Whiskies von den Inseln, für Entdecker und Kenner:

  • Isle of Jura (Jura) – Trocken und salzig, irgendwo zwischen Highlands und Islands
  • Bunnahabhain (Islay) – Für Islay sehr mild, beliebter Grundstoff für Blends
  • Bruichladdich (Islay) – Ungefiltert und ehrlich, vielschichtig, immer wieder anders
  • Caol Ila (Islay) – Der Einsteiger in die torfigen Malts
  • Bowmore (Islay) – Deutliche Seeluft und aromatischer Sherry in Verbindung mit Torf
  • Ardbeg (Islay) – Kult-Whisky, trocken, sehr torfig. Ältere Abfüllungen leicht fruchtig.
  • Laphroaig (Islay) – Medizinisch und torfig mit viel Seeluft
  • Highland Park (Orkney) – Einer der besten mit Heide, Honig, Rauch und Seeluft
  • Scapa (Orkney) – Etwas für jeden, kräftig und voll, gleichzeitig süß und malzig

Bei der angebotenen Fülle an Single Malt Scotch Whisky kann und will ein solcher Einkaufsführer nur die Standards behandlen und läßt zwangsweise viele tolle Namen und Abfüllungen links liegen. Auch Abfüllungen einer einzigen Brennerei fallen unter Umständen deutlich unterschiedlich aus. Wie so oft gilt auch hier: Probieren geht über studieren. Viele Einzelhändler bieten inzwischen regelmäßige Tastings an, bei denen man sich an „seinen“ Whisky herantasten kann. Irish Pubs mit guter Whisky-Auswahl gibt es zumindest in größeren Städten wie Sand am Meer und auch ein Blick auf das Angebot von Franchise-Ketten wie „vom Fass“ oder „Barrique“, die Whisky aus der Glasblase oder dem Holzfässchen verkaufen, lohnt sich. Das „Fass“ ist zwar Augenwischerei, aber die Abfüllungen sind von durchaus hoher Qualität. Im Internet findet man außerdem viele Informationsseiten und Foren zum Thema und auch die Adressen von lokalen Whisky-Klubs, die neue Mitglieder gerne, herzlich und meist sogar kostenlos aufnehmen.